Gestationsdiabetes verstehen
Eine Diagnose in der Schwangerschaft wirft viele Fragen auf. Hier finden Sie verlässliche und verständliche Informationen zu Ursachen, Untersuchung und Nachsorge.
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Was ist Gestationsdiabetes?
Gestationsdiabetes (häufig als Schwangerschaftsdiabetes bezeichnet) ist eine Glukosetoleranzstörung, die erstmals während der Schwangerschaft diagnostiziert wird. Die Feststellung erfolgt standardisiert durch einen 75-g oralen Glukosetoleranztest (oGTT) mit qualitätsgesicherter Messung im venösen Plasma.
Bereits ein einziger erhöhter Wert bei diesem Test reicht aus, um die Diagnose zu stellen. Wichtig zu wissen: Ein manifester Diabetes, der in der Schwangerschaft festgestellt wird, stellt eine eigenständige und separate Diagnosekategorie dar.
Wie entsteht Gestationsdiabetes?
Die zugrundeliegenden Mechanismen ähneln weitgehend denen des Typ-2-Diabetes. Im Verlauf der Schwangerschaft entwickelt sich eine zunehmende Insulinresistenz. Gleichzeitig nimmt die Fähigkeit der Betazellen (die für die Insulinproduktion zuständig sind) ab, diese Resistenz durch eine erhöhte Insulinausschüttung auszugleichen.
Laut deutschen Perinatalstatistiken wird ein Gestationsdiabetes bei etwa 9,6 % aller Schwangerschaften dokumentiert. Sie sind mit dieser Diagnose also keineswegs allein.
Screening und Risikofaktoren
Das reguläre Screening auf Gestationsdiabetes findet standardmäßig zwischen der vollendeten 24. und 28. Schwangerschaftswoche (24+0 bis 27+6 SSW) statt. Es wird unabhängig von spürbaren Beschwerden eingeplant.
Bei Schwangeren mit einem erhöhten Risiko sollte bereits bei der Erstvorstellung (vor der 24. Woche) geprüft werden, ob möglicherweise eine bislang unerkannte Glukosestörung oder ein Diabetes vorliegt.
Bekannte Risikofaktoren
Zu den Faktoren, die das Risiko für einen Gestationsdiabetes erhöhen, zählen unter anderem:
- Ein vorausgegangener Gestationsdiabetes in einer früheren Schwangerschaft
- Höheres mütterliches Gewicht oder Alter
- Verwandte ersten oder zweiten Grades mit Diabetes
- Zustand nach Ovulationsinduktion (Eisprungauslösung)
- Süd- oder ostasiatische Herkunft
- Ein höheres Geburtsgewicht bei vorausgegangenen Kindern
Der Diagnose-Ablauf
Für die Diagnosestellung wird bevorzugt der 75-g orale Glukosetoleranztest (oGTT) herangezogen. Dieser Test erfolgt am Morgen im nüchternen Zustand unter streng standardisierten Bedingungen.
Es werden dabei Messungen des venösen Plasmas zu drei Zeitpunkten durchgeführt:
- Nüchtern (vor dem Trinken der Glukoselösung)
- Eine Stunde nach dem Trinken
- Zwei Stunden nach dem Trinken
Die genauen diagnostischen Grenzwerte werden in Abstimmung mit Ihrer betreuenden Praxis ausgewertet. Ein einzelner erhöhter Wert ist ausreichend, um die Diagnose zu stellen.
Mögliche Auswirkungen
Die medizinischen Leitlinien berichten bei Gestationsdiabetes von erhöhten Risiken für Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen bei der werdenden Mutter.
Auch beim Neugeborenen können kurzfristige Komplikationen auftreten. Welche Bedeutung diese allgemeinen Risiken im individuellen Fall haben, ordnet das behandelnde Fachteam ein.
Nach der Geburt: Die Nachsorge
Auch wenn die Schwangerschaft abgeschlossen ist, bleibt der Blick auf den Stoffwechsel wichtig. Frauen mit einem vorangegangenen Gestationsdiabetes haben ein 7- bis 8-fach erhöhtes Risiko, im weiteren Verlauf ihres Lebens an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Etwa 35 bis 60 % der Betroffenen entwickeln innerhalb von 10 Jahren einen Typ-2-Diabetes.
Bei schätzungsweise 13 bis 40 % der Patientinnen bildet sich die Glukoseintoleranz nach der Schwangerschaft nicht vollständig zurück. Aus diesem Grund empfiehlt die Leitlinie einen erneuten 75-g oGTT, der 6 bis 12 Wochen nach der Entbindung durchgeführt werden sollte, um mögliche bleibende Einschränkungen des Zuckerstoffwechsels frühzeitig zu erkennen.
Häufige Fragen (FAQ)
Vertiefende Beiträge
Diese Beiträge ordnen einzelne Themen ausführlicher ein. Sie ersetzen ebenfalls keine persönliche medizinische Beratung.
Quellen & Fachliteratur
- 1. Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)Gestationsdiabetes mellitus (GDM), Diagnostik, Therapie und Nachsorge. Aktualisierte Praxisempfehlung 2025, Kurzfassung der S3-Leitlinie, Diabetologie und Stoffwechsel 2025; 20: S222-S233.
- 2. Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Arbeitsgemeinschaft Geburtshilfe und Pränatalmedizin (DGGG-AGG)Gestationsdiabetes mellitus (GDM), Diagnostik, Therapie und Nachsorge. S3-Leitlinie, 2. Auflage 2018, AWMF-Registernummer 057-008.Hinweis: Dieses Dokument ist älter als fünf Jahre und befindet sich derzeit in Überarbeitung.
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